Wieder mal Mittelalter
Saturday, October 28. 2006
Gestern konnte ich mal wieder ins Mittelalter schlüpfen. In der Larp-Taverne Twilight in Köln tummeln sich einmal im Monat Drachentöter, Orks und Pirartenvolk. Und hübsche Maidlein... so wie die besonders netten des Clans Mac Mahoon.
Eine davon ist meine Wenigkeit. Und weil ich ja ganz wild darauf bin, in historisch angehauchter Mode durch die Welt zu wandeln, hab ich mich schon zu Hause in Schale geworfen, Schleppenkleid und Jäckchen von HundM drüber und ab in den Bus.
Dann mit der Bahn weiter nach Köln. Dank Nowaks Bericht war ich vorgewarnt, dass in Köln zur Zeit etwas schwierige Verkehrsverhältnisse herrschen. Nachdem ich 30 Minuten auf den Zug gewartet hatte, konnten mir die paar Minuten mehr für die Strassenbahn auch nichts mehr anhaben.
In der Taverne war wieder volles Programm. Vor allem der Clan war (fast) voll besetzt. Da ich zum ersten Mal nicht als Autofahrerin zur Taverne kam, war ich alsbald auch recht voll.
Antialkoholiker lesen jetzt besser nicht weiter: Nach den ersten Flaschen leckeren Gerstensaftes habe ich diese mit süßem Met heruntergespült. Der Rest des Abends war kurz, der nächste Tag vermurkst, aber Strafe muss ja sein nach einer durchzechten Nacht.
In der Taverne war auch unser Clanmitglied Garret, der nicht nur ein ganz Lieber ist, sondern auch ein begnadeter Bastler von Larp-Waffen. Diese müssen ja bestimmten Sicherheitskriterien entsprechen. Vor allem müssen sie absolut verletzungssicher sein. Darum werden sie hauptsächlich aus Schaumstoff hergestellt. Unser Garret ist gelernter Kunststoff-Formenbauer, also prädestiniert für diese Bastelarbeiten.
Gestern hatte er was für meine Druidenfreundin Eilionor und mich dabei: Sicheln! Eilionor hatte ihm zuvor unsere Druidennamen in Runenschrift gegeben, diese prangten nun in eingravierten Lettern auf den goldenen Sicheln.

Und weil die Sicheln so schön rund sind, haben wir gleich vor der Taverne Wurfübungen damit gemacht.... Die Dinger fliegen vorzüglich, fast wie Frisbees. Ich weiß, Sicheln sollten von Druiden benutzt werden, um heilige Kräuter und Misteln damit zu schneiden. Aber da wir keine anderen Waffen haben, weil wir ja liebe, nette Dienerinnen der Müttergöttin sind, werden wir das nächste Mal mit den Sicheln auf die Orks schmeissen. Nun müssen wir noch ein bisschen üben, und dann werden die Orks totgeworfen!
Kapitel 2- Die Menschen
Sunday, October 15. 2006
Und weiter geht´s mit dem Kongressbericht!
Draussen scheint die Sonne und man mag kaum glauben, dass es mit großen Schritten auf den Herbst zugeht. Und wo uns allerorten dieser wunderschöne Sonnenschein umgibt, was liegt da näher, als euch ein wenig über sie zu erzählen?
Neulich fuhr ich durch Solingen, kam mir doch tatsächlich ein Kleinlaster entgegen, mit der riesengroßen Aufschrift "Firma Sonnenschein"... wenn man jemanden mit einem solch einprägsamen Spitznamen kennt, wird man an allen Ecken daran erinnert. Und wer ist nun Sonnenschein?
Alles fing damit an, dass ich bei Burda die Weblogs entdeckte. Da tummelte sich auch jemand namens Sonnenschein. Später stieß ich auch auf andere Bloganbieter, und...schon wieder eine Sonnenschein. Beim dritten Blog schrieb ich sie dann an: Wieviele Blog hast Du denn und bist Du überhaupt nur eine oder vielleicht mehrere?
Sie schrieb mir dann zurück, ja sie sei nur die eine Sonnenschein, und sie testet halt verschiedene Blogs. Nun, das hab ich dann auch getan, und nachdem ich einige durch hatte bin ich bei zwei Bloganbietern geblieben, eines für Designspielerieien, zum formatieren der Texte und als eine Art Backup, und das Burdablog schreibe ich fast inhaltgleich, aber mit Herzblut.
Nun, durch diesen lustigen Zufall hatte ich Kontakt zu Sonnenschein, die auch aktiv im Forum der Hobbyschneiderin war. Manchmal geht das Leben schon seltsame Wege. Durch unsere aktive Bloggerei haben wir uns dann näher kennengelernt, dem Internet sei Dank! Später kamen Telefonate und email hinzu. So hatte ich bald das Gefühl sie bereits eine Ewigkeit zu kennen.
Wir sind uns ähnlich und doch so grundverschieden. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der GENAU so wäre wie ich... ich bezweifle, dass ich mit einer solchen Person Umgang haben möchte, haha. ![]()
Aber Sonnenschein, die eigentlich Evelyn heisst, hat das Herz am rechten Fleck, und trotz aller Unterschiede verstehen wir uns in allen wichtigen Punkten bestens! Sonnenschein ist da anders, wo ich fürchterlich bin: Sie ist so elegant (ich laufe immer recht schlampig rum, obwohl ich schöne Kleider liebe, bin ich zu faul sie auch zu tragen) und gestaltet sich und ihre Umgebung zu einem harmonischen Gesamtbild. Sie ist zielstrebig, kann sich entscheiden, da werde ich immer neidisch. Sie denkt stets an ihre Lieben, zu denen auch eine Handvoll Schneiderinnen gehören, mit denen sie eine muntere Gruppe bildet.
Ich will gar nicht so viel erzählen wie ich Sonnenschein sehe. Wenn ich dann irgendwo total falsch liege, verzerre ich euer Bild von ihr, das möchte ich nicht. Aber ich kann soviel sagen: Ich hab´sie sehr gern und denke oft an sie! Und wünschte, ich hätte mehr von ihr an mir selbst!
Was hat das alles nun mit Aachen zu tun? Als ich zum Kongress nach Aachen fuhr, kannte ich Sonnenschein lediglich aus dem Internet, also virtuell, und ihre Stimme vom Telefon. Auch andere Mädels hatte ich zuvor noch nie gesehen, doch davon später mehr. Auf Sonnenschein war ich gespannt wie ein Flitzebogen! Schon als der Kongress öffnete habe ich nach ihr Ausschau gehalten, obwohl sie erst gegen Mittag kommen wollte. Dann hatte ich meinen Kurs im ersten Stock und sah kaum jemanden, da nicht viele Besucher den Weg nach oben fanden.
Als ich sie dann endlich erspähte (uff, ich weiß nicht mehr wo, ich weiß nur ich hab sie angesprungen und gedrückt) hab ich mir nen Knubbel an den Bauch gefreut! Endlich "meine" Sonnenschein in Fleisch und Blut! Sie hatte dann einen Pflichttermin bei Burda, sie hatte sich als Model für das richtige Maßnehmen zur Verfügung gestellt.
Für die Burda Maßschnitte muss man einige Körpermaße abnehmen, und da Sonnenschein ein paar sehr individuelle figürliche Besonderheiten hat, war sie das ideal Objekt für eine Vorführung von Burda. Am besten ihr lest ihren Blogeintrag zu der Burda-Vorführung.
Auf jeden Fall war sie wirklich und wahrhaftig im Mittelpunkt:

Während des restlichen Kongresses sah ich Sonnenschein noch oft, immer war sie grade auf dem Weg irgendwohin und nachdem unsere Wege sich kurz gekreuzt hatten, gingen wir auch schon wieder unserer Wege. ![]()
Bei einer Demo über Filzen hab ich mich dann mal zu ihr gestellt, und war begeistert. Auch hier hat Sonnenschein alles Wichtige dazu erzählt. Und vom Filzfieber infiziert, mussten ein paar Kleinigkeiten in Sonnenscheins Einkaufstüte:

Ich bin dann noch eine Weile hin- und hergeschlichen, aber am Ende hab´ ich fast die gleichen Sachen gekauft!
Auf ein längeres Beisammensein mit Sonnenschein habe ich dann am Abend gehofft, und ging zu dem abendlichen Treffen im Aachener Alex. Ich konnte sie dort nicht entdecken, also habe ich mich an einen Tisch mit anderen Mädels gesetzt, von denen ich eine während des Tages kennengelernt hatte. Auch über diese lustige Truppe werde ich noch ausführlich berichten, ich hab´ an deren Tisch Tränen gelacht! Zu später Stunde musste ich dann nochmal nach Sonnenschein Ausschau halten, und erspähte sie am anderen Ende des Raumes!
Endlich konnte ich mich auf sie stürzen! Wir haben dann noch lange mit den Damen des OWL-Nähtreffs (OstWestfalenLippe oder so) beisammen gesessen. Den Abend möchte ich um nichts in der Welt missen, ich habe mich gefühlt wie die Made im Speck! Umgeben von netten Menschen, kreativen Gesprächen, Späßen und Erfahrungsaustausch... als Sahnhäubchen noch liebe Menschen, auf deren Nähe man monatelang gewartet hat: Für mich war dieser Abend das absolute Highlight des Kongresses.
Die Moral von der Geschicht´? Ohne Freunde geht es nicht. Für mich war das Wichtigste in Aachen das Zusammentreffen mit bekannten und bis dato unbekannten Gesichtern. Endlich mal Menschen, die man schon längst ins Herz geschlossen hat, auch mal in Fleisch und Blut zu sehen, anfassen zu können. Unsinn reden, denn das tut man in Blogs, mails oder am Telefon nicht. Zeit verplempern, die in chats oder virtuell zu kostbar scheint. Einfach beisammen sein. Aachen war viel zu kurz! Und mit einem Bein bin ich immer noch da, und das wird- Dank Sonnenschein- auch noch eine ganze Weile so bleiben.
Häppchen für Sonnenschein
Tuesday, October 10. 2006
Eben war ich im Blog meiner herzallerliebsten Sonnenschein (Evelyn). Eigentlich muss ich seit einer Woche einen Weblog-Eintrag nur über SIE schreiben, denn laut Kapitel-Einteilung des Kongreßberichts ist sie an der Reihe....
Ich drücke mich davor. Warum? Weil ich immer und immer wieder einen besseren Text im Kopf habe als am Tag davor. Sonnenschein ist halt was Besonderes. So wird die Welt auf den Rest des Kongressberichts wohl noch warten müssen, bis mir der PERFEKTE Artikel über Sonnenschein einfällt ![]()
Aber ich hab ein Häppchen für zwischendurch: Sonnenschein mag meine schönen Mode-Fotos.... Na ja, ich bin´s und ich bin´s auch wieder nicht, wenn ihr mich in meinem Blog posieren seht. Meistens bearbeite ich nur den Hintergrund und retuschiere ein paar Falten.... das kann auch jeder wissen. Ein einziges Mal hab ich das Bild ein paar Pixel in die Länge gezogen, denn Fotos machen jeden Menschen gnadenlos breiter als er in Wirklichkeit aussieht, das ist meine feste Überzeugung.
Und ich kann ein bisschen mit Photoshop umgehen, die paar Tricks die ich kenne hat mir meine Tochter beigebracht. Wichtig ist meistens die Korrektur der Farben. Ich habe also ein Bild von Sonnenschein geklaut, und es ein bisschen "korrigiert". Ich hoffe, es gefällt ihr. Bei Gelegenheit zeige ich meinem Sonnenscheinchen mal, wie das geht
.
Hier meine Version von Sonnenschein:

An der Tafel des Elbenfürsten
Sunday, October 8. 2006
Als zwanzig Sonnenjahre vergangen waren, gab Fingolfin, der König der Noldor ein großes Fest...
Willkommen seien an seiner Tafel Elbenvölker Mittellandes, Mittelerdes und Albenmark;
Hobbits und Menschen aller Regionen..Mögt ihr Ambiente und geselligen Tanz?
handgemachte Musik und herrliche Greifvögel???
Baderfreuden, Gauckler und stimmungsvolle Elbentavernen?
Kurzweil mit Bogen und Schwert..
Diese Einladung erreichte mich auf der schönen Burg zu Satzvey, am Haus des Falkners. Dort traf ich die mir bis dato unbekannte Organisatorin des Elbenfestes, und folgte freudig der Einladung.
Was genau sollte stattfinden?
Nun, ihr wisst ja bereits um meine Leidenschaft zum "Ver-Kleiden" welches ich in meinem Hobby "Larp" auslebe. In diesem Fall sollte auf Burg Bilstein im Sauerland eine 3-Tages-Con(vention) stattfinden, und zwar eine Con des Typs "Ambientecon".
Larp-Conventions sind sehr vielfältig und unterschiedlich, mal wird mehr gekämpft (mit Larp-Waffen, versteht sich) mal werden kniffelige Rätsel gelöst, mal trifft man sich nur zwecks gewandeter Geselligkeit. Das "Mittelerde-Erntedank" sollte eine Mischung aus wunderschönem Ambiente, prächtiger Gewandung und edlem Wettstreit werden. Während der 3 Tage auf der Burg konnten die Teilnehmer Abenteuer erleben, sich als Bogenschützen oder Waldläufer beweisen, oder sich gar als bester Tänzer beweisen! Da ich nicht die ganzen 3 Tage dabeisein konnte, durfte ich (Danke, Marja!) mit einer Freundin aus meinem Schottenclan das Filetstück der Con genießen: Das abendliche Festbankett.
Also Kind untergebracht, Schleppenkleid ins Auto, und ab zu Eilionor, meine Druidenschwester vom Clan. Nach Kaffee, schminken, einschnüren, aufrüschen...ab auf die Autobahn. Wir haben ja Glück: Für uns liegt die Burg Bilstein eine knappe Autostunde von Eilionors guter Stube entfernt, wir trafen gegen 16 Uhr auf der Burg ein. Für mich war es der erste Besuch auf der Burg Bilstein, die eigentlich eine Jugendherberge ist, aber was für eine! Türmchen, Burghof, verwunschener Brunnen (da sitzt- ungelogen!- ein Frosch mit goldener Kugel drin!) und weitere, wunderschöne Gebäude.
In einem der Nebengebäude wurde bei unserem Eintreffen bereits fleissig dekoriert, für die abendliche Tafel des Elbenfürsten. Im Hof befand sich ausserdem ein wunderhübscher Verkaufsstand. Zum Unglück aller Händler bin ich als Ex-Händler ja recht immun gegen die Verlockungen von Anbietern, die Dinge feilbieten, die ich selbst machen kann: Kleidung, Lederaccessoires, Dekorationen. Aber die kleine, feine Firma Rheingold ist seit gestern etwas Besonderes für mich und Eilionor. Die Inhaberin Kerstin, genannt "Kiki", ist so eine richtige Powerfrau, und hat sich im Laufe des Abends so richtig in unsere Herzen geredet!
Sie betreibt ihr Lädchen mit so viel Herzblut, beihahe schade, dass ich keine Gewandung bei ihr kaufen kann! Aber ich denke, wenn ich mal was anderes brauche, was ich nicht selbst herstellen kann, dann ist dies meine erste Adresse! Und wer nicht nähen kann, sollte dort mal vorbeischauen, denn Kiki legt großen Wert darauf, dass sie keine Kleider von der Stange verkauft!
Neben dem hübschen Verkaufsstand von Kiki befand sich auch ein Bader mit seinem überdimensionalen Zuber nebst Badehaus auf dem Hof. Keine Ahnung, wie der Inhaber dieses dampfenden Tiegels hiess... wenn ich nicht völlig daneben liege war er auch der Barde, der mich und einige andere Damen zu später Stunde mit seinem Gesang bezauberte...und hieß Stefan. Den Rest bekomme ich schon raus..... (Als wir kamen, plantschte bereits eine Kundin in seinem heissen Wasser und kam erst gegen Mitternacht wieder heraus! 9 Stunden Baden, irgendwann probiere ich das auch mal, es schien ihr jedenfalls nicht geschadet zu haben!)
Solchermassen von der geballten Ladung mittelalterlichem Flairs schier überwältigt, sollte es beim abendlichen Festbankett noch besser kommen! (Was ich im nachfolgenden Bericht aus dramaturgischen Gründen nicht erwähnt habe, sind die sehr unmittalalterlichen Musikeinlagen, die der Abend noch bereit hielt: Da ein Kölner Tabourcorps (das sind die, die im Karnevalszug die Marschmusik machen) sich auch in der Jugendherberge zwecks intensiver Probens eingemietet hatte, gab es ein Konzert neben dem Wunschbrunnen im Burginnenhof, Kölner Karneval im tiefsten Sauerland! Und später, als es bereits dunkel wurde, gab der Burgherr (oder Herbergsvater?) ein Ständchen auf dem- jetzt haltet euch fest- Dudelsack! Diese Burg ist sowas von PERFEKT!!!!!)
Ich habe in dem Text des heutigen Blogs viele Links versteckt, alle BILDER sind von einem VERGANGENEN Festbankett, vom gestrigen gibt es leider noch keine im Moment. Aber dennoch sah das Ganze ziemlich genauso aus......
Lehnet euch zurück und lauschet meiner Stimme:
Im großen Burghof zog Dunkelheit auf. Der zauberhafte Blick über das grüne Tal verblasste mehr und mehr, und das traurige Grau der fortgeschrittenen Dämmerung legte sich über die prächtigen Roben der Festgäste, welche - noch im eifrigen Gespräch vertieft - die feuchte Kühle des Abends nicht bemerkten.
"Tretet ein, es wird kühl" vernahmen wir die Stimme der Zeremonienmeisterin. So sollte der Abend beginnen, der Höhepunkt eines Tages voller edlem Wettstreit und höfischem Treiben. Wir traten ein in den Festsaal. Hohe Decken, von baumdicken Balken gestützt. Ein Duft von jahrhundertealtem Rauch lag in der Luft, diese Patina, die nur ehrwürdige Gebäude haben, in denen schon Generationen gelebt, gegessen, gelacht und gefeiert haben! In dem großen Kamin prassete ein heimeliges Feuer. Hunderte von Kerzen spiegelten sich in den Augen der Gäste wieder, ein Glanz der unbeschreiblich ist, mehr als nur Licht! Freude, Wärme, Freundlichkeit, all dies sah man im Glanz des Wiederscheins.
Zu unserer Linken erwartete uns der Schankwirt und seine rührige Hobbit-Maid, die unermüdlich Apfelmost und die köstlichsten Beerenweine ausschenkte. Für die anderen Geschmäcker gab es gar Wasser und Gerstensaft, kein Wunsch einer durstigen Kehle sollte unerfüllt bleiben.
In der Mitte des Raumes die lange Tafel des Elbenkönigs, seiner Königin und des Hofstaats. Geschickte Hände hatten die Tafel und auch die Tische der geladenen Gäste mit herbstlichen Dekorationen geschmückt, die reiche Ernte der Mutter Erde lag vor uns ausgebreitet. Alle Farben des Herbstes erfreuten unser Auge, von der Decke hingen die farbenfroher Banner der hohen Häuser von Gastgeber und Gästen herab. Auch das Banner meines Heimatlandes, die Flagge der Könige von Schottland, fand ich dort, sehr zu meiner und meiner Druidenschwester Eilionor Freude.
Nach der offiziellen Eröffnung des Festes wurden die Sieger der edlen Wettstreite geehrt, nach dem Wettkamp im Bogenschießen, Waldlauf und Tanz gab es strahlende Sieger(innen) und geschmeichelte Recken.
Als Gast trat auch der Falkner der Burg Satzvey zu den Gästen, er hatte den schnellsten Boten des Elbenkönigs mitgebracht, einem ebenso flinken wie gelehrigen Bussard. Bevor er sich am Tisch seines Herrn niederließ, sah der edle Vogel sich die abendliche Gesellschaft aus luftiger Höhe an und flog von Balken zu Balken.
Nach musikalischen Darbietungen gab der Geschichtenerzähler uns eine Probe seines Könnens. Mit blossen Worten vermochte er es, uns über Zeit und Raum an fremde Gestade zu entführen, zu Göttern und Wundern, zu Feen, holden Maiden und stattlichen Rittern. Am Ende einer jeden Geschichte vergaß er auch die tiefere Bedeutung seiner Geschichten nicht, die von Gastfreundschaft oder wahrer Liebe sprachen.
Als das erwartete Mahl mit Verspätung endlich beginnen konnte (die Kutsche des Kochs war mit einem Achsbruch liegengeblieben und hilfreiche Gäste mussten mit ihren eigenen Wagen herbeieilen, um Abhilfe zu schaffen), erwartete uns eine weitere Überraschung: Selten hat man das Glück, solch vollendete Speise zu genießen. Jeder Gang schien besser zu munden als der vorherige, und ich selbst habe es sehr bedauert, in meiner Eitelkeit ein recht enges Gewand gewählt zu haben... hätte ich doch von den köstlichen Speisen gerne mehr gekostet, aber schnell war ich so satt, dass ich mich nur noch glücklich und mit einem Wohlgefühl zurücklehnen, und der zauberhaften Musik der Barden lauschen konnte.
Kaum waren alle Gäste gesättigt, kam Unruhe im Burghof auf. Nazgul, böse Ringgeister und Abschaum des Bösen, hatten Zutritt zur Feste erlangt. Alle Gäste rannten erschrocken zum Burghof um sich in den Kampf zu stürzen oder den Kämpfern mit guten Worten beizustehen. Zwei besonders mutige Krieger warfen sich in die vorderste Front und besannen sich ihrer magischen Künste: Mit brennenden Schwertern gingen sie gegen die Geister vor! Schnell wurden diese zurückgeschlagen und aus der Burg vertrieben.
Nun wollten wir weitere Kostproben dieser Zauberkunst sehen! Die beiden Magier konnten ja noch so viel mehr! Brennende Stäbe wirbelten durch die Luft, in Brand gesetzte Ketten zischten mit Getöse an den Gesichtern des gebannten Publikums vorbei! Zum Abschluss ihrer Vorführung spien sie Feuer wie der Drache selbst! Welches Schauspiel! Über all dem sah der gute alte Mond uns zu, der voll und hell über der Burg stand.
Nachdem unsere Gemüter sich wieder beruhigt hatten, fanden wir uns zum höfischen Tanze im Burghof zusammen. In geselliger Runde drehten wir uns zum Spiel der Bardin, und trotz klammer Kälte wurde den Tänzern warm und wärmer. Ein weiteres Glas Met musste her! Zurück in die Festhalle zum Feuerschein, ins Kerzenlicht, Prasseln des Kaminfeuers, in das Stimmengewirr illusterer Gäste, vertieft im geistigen Austausch.
Erst zu später Stunde gesellte sich der Herr des Badehauses zu unserer kleinen Schar, der meine Schwester und ich uns angschlossen hatten. Und zu unserer freudigen Überraschung entpuppte sich dieser als talentierter Barde, und brachte den errötenden Damen manch unzüchtiges Ständchen. Es schlug schon Mitternacht und der volle Mond tat sein Übriges: Die Magie der Minne lag in der Luft, doch schweren Herzens mussten meine liebe Schwester und ich den Heimweg antreten, denn unsere Pferde mussten uns noch weit über Land tragen, in die dämmrige Sicherheit von Heim und Herd, welches man vermisst, nach einem Tag so voller Licht und Leben!
So seid gewiß, ihr meine lieben Freunde: Dies war ein Tag und eine Nacht, die so schnell nicht vergessen werden wird!
50 ways to hide your fabric
Sunday, October 1. 2006
Alles fing vor 8 Tagen an: Beim samstäglichen Abendessen in Aachen kamen wir ins Plaudern und Jammern... Unsere Männer (ja, wir waren am Tisch zu 100 Prozent weiblich) haben einfach kein Verständnis für unsere Stoffsucht.
Dann gab Christa (Ennertblume im Forum der Hobbyschneiderin) uns den ersten Tipp. Man kann den Stoff ja auch verstecken, ihr Beispiel war so einfach wie genial: Zusammengefaltet und über den Hosenbügel gelegt, kann man den Stoff unter einer darüber aufgehängten Bluse verstecken.
Am nächsten Tag bekam ich schon den nächsten Tipp: Angela Gilbes-Nowiki, die am Prym-Stand neue Produkte vorführte, ging noch einen Schritt weiter. Ist kein Mann im Haus, der über gehortete Stoffvorräte meckern kann, ist Platz für Stoff in den Küchenschränken und sogar im Kühlschrank. Schliesslich ist kein hungriges Maul zu stopfen, und der Platz für Geschirr und Vorräte kann anderweitig genutzt werden.
Im gleichen Moment hörte ich im Geiste Paul Simon singen... 50 ways to leave your lover. Nur diesmal sang er "50 ways to hide your fabric" (zu deutsch "50 Wege seinen Stoff zu verstecken") Na ja, und so ist das bei mir mit Ideen. Die wollen raus, komme was wolle.
Beim Nähkränzchen in Bonn fragte ich dann in die Runde, wie man sonst noch Stoff verstecken kann. Leider habe ich meine Notizen daselbst liegen lassen. Drum hab´ ich aus der Erinnerung und was da noch im Hirn war einen neuen Liedtext gebastelt. Den könnt ihr alle singen, wenn ihr mal wieder nicht wisst, wohin mit dem Stoff.
50 ways to Hide your Fabrik
(nach dem Lied "50 ways to leave your lover" von Paul Simon)
Das Problem sind all die Stoffe sagte er...
Das meckern bin ich leid, drum frage ich euch hier,
Wie soll ich´s machen, dass er sie nie wieder sieht
Wie kann ich.... Meine Stoffe nur verstecken?
Dabei...genäht hab ich schon seit ich 13 bin
Trotzdem kauf ich mehr als ich verbrauchen kann
Das Problem kennt ihr doch alle sicherlich
Wie kann man.... Seine Stoffe nur verstecken?
50 ways to hide your fabric
-auf dem Kleiderbügel da ista, bei Christa
-Stopf ihn unter die Wanne, Anne
-im Kühlschrank ist noch Raum, man glaubt es kaum
-stopf den Stoff doch da rein.....
-unterm Bett ist noch mehr, Pierre
-dein Kofferraum ist noch nicht belegt, Margret
-schmeiss dein Tupper raus, sagt Klaus...
.... Das mach ich gern, für den Platz,
-versteck sie hinterm Klo, Jo
-Leg den Pool gleich trocken- für die Docken
-schmeiss deinen Mann einfach raus!
-und das Lied ist jetzt aus
Und was macht man dann mit einem solchen Liedchen an einem verregneten Sonntag?
Genau, ein Musikvideo! Als meine Tochter sich diese Woche eine Digital-Videokamera gekauft hat, und damit so süße Filmchen gedreht hat, wollte Mama auch sowas haben! Und das Thema ist mein geliebter Stoff.
We proudly present: (link anklicken und TON AN!!!)
fabricgirl featuring her fabric
Camera, casting, cutting: Farina, my daughter
Viel Spaß dabei!
Morgens Schottland, abends Syrien
Sunday, October 1. 2006
Der gestrige Tag war ereignisreich. Zuerst ein kleines Nähprojekt fertiggestellt, danach stand ein Besuch auf dem Leichlinger Obstmarkt auf dem Programm. Diese Traditionsveranstaltung besuche ich, seit ich in der Grundschule war. Obst- und Gemüsebauern aus der Region präsentieren ihre Produkte, ergänzt wird das Ganze durch Kunsthandwerk, Vorführungen, lokale Vereine, die sich mit der Erhaltung und Pflege der Natur beschäftigen und alte Handwerkskünste. Im Laufe der Jahre ist das Ganze ein wenig gewachsen, aber auch ohne viele Neuerungen steht der Obstmarkt in jedem Terminkalender in und um Leichlingen.
In diesem Jahr wurde erstmals eine mittelalterliche Handwerkergruppe eingeladen, die mit einen Kunstschmied, Lederer und einen Bogner nach Leichlingen kam. Zufällig hatte ein Mitglied der Truppe sich vor rund einer Woche in den Forum meines Larp-Schottenclans eingetragen, um Hallo zu sagen. Ich nahm mir also vor, die Truppe anständig gekleidet zu besuchen. (ENDLICH ein Vorwand, in Gewandung in Leichlingen herumzulaufen, schon das zweite Mal dieses Jahr) Ich habe dann mein Magd-Outfit rausgekramt und ab nach Leichlingen.
Der Schmied ist sogar im "wirklichen" Leben Kunstschmied. Auf dem Obstmarkt fertigte er vor Publikum süße Flaschenöffner an, deren Griff wie ein Pferdekopf ausschaut.

Der Lederer hatte seine Familie dabei, zwar nicht gewandet, aber mit dem älteren Stöpsel konnte mein mitgeschleppter Junior super spielen.

Der Bogner hatte einen Lehrling, eine Zierde ihrer Zunft:

Meinem Sohn habe ich dann den Obstmarkt gezeigt und alles erklärt. Vielleicht weiß man die liebevollen Obstdekorationen erst zu schätzen, wenn man in mein Alter kommt *hüstel*. Als Kind fand ich die spießig, heute weiß, ich wieviel Herzblut dahintersteckt:

Ganz besonders hübsch fand ich ein großes Schaubild, welches das Leichlinger Wappen darstellte. Damit Nicht-Leichlinger das verstehen, habe ich das Bild ein wenig bearbeitet und oben das Originalwappen eingefügt:

Leider musste ich schon gegen 16 Uhr wieder aufbrechen, denn abends waren wir mit Freunden zum Essen verabredet. Ich hoffe die nette Schottentruppe recht bald wiederzusehen!
Zurück daheim dann aus der Magd ein Flitter-Schucki gemacht, wir wollten in das syrische Restaurant "Sahara" in Solingen-Mitte gehen. Jeden letzten Samstag im Monat gibt es dort Bauchtanz. Als mein Mann unsere Gruppe zu Beginn der Woche dort anmelden wollte, hieß es die Bauchtänzerin kommt mangels angemeldeter Besucherzahlen nicht. Schade. Aber als wir um 20 Uhr eintrafen, war die Bude gerammelt voll. Und so kamen wir doch noch zu unserer ersehnten Bauchtanzvorstellung! Gegen 21 Uhr wurde die Musik laut! Die Blume des Orients kam um die Ecke! Wow! Was für ein Kostüm! Ich kenne Bauchtanzkostüme nur von Abbildungen, und ich habe noch nicht eines gesehen, welches mich zum Nacharbeiten angeregt hätte.
Aber dieser Fummel war ein Traum! Das Top über und über mit Glitzer und Glimmer bestickt, und statt eines wallenden Flatterrocks ein knallenges Unterteil, mit Durchblick! Ich musste immerzu starren und im Geiste alle Schnittmuster durchgehen, mit denen man dieses Taumkleid hätte nachnähen können!

Leider sind alle Bilder des Abends von einer grauslichen Qualität! Da der Bauchtanz ja eigentlich abgesagt war, habe ich meine Kamera zu Hause gelassen. In der Not frisst der Teufel Fliegen, und so habe ich dann ein wenig mit dem Handy meines Mannes rumgeknipst, in einem Licht, welches man als "orientalisch abgedunkelt" bezeichnen könnte. Ich bitte also für die schlechten Bilder um Entschuldigung, besser ging´s nicht. Nehmt eure Phantasie zu Hilfe. ![]()
Mein Jüngster kam aus dem Staunen nicht heraus, und Mama hatte Spaß!

Unsere Freunde blieben spekptisch
:

Und dann kam die süße Tänzerin zu meinem Mann und nahm ihn einfach mit! Ich glaube, es hat ihm sehr gefallen, darum auch gleich 2 Bilder davon:


Das war der krönende Abschluß eines ereignisreichen Tages! Beinahe unnötig zu erwähnen, dass das Essen im Sahara wieder einmal köstlich war! Nächstes Mal nähe ich mir was Orientalisches und tanze auch mit!
Monday, September 4. 2006
Da geht man am Wochenende nichtsahnend und ganz harmlos zu einem mittelalterlichen Burgfest auf Schloß Satzey. Sucht sich einen alten Fummel raus. (Endlich kann ich mal wieder das alte Bild hier posten)

Und dann steht man da und denkt an nichts Böses - der Junior verdrückt einen Reibekuchen - landet so ein riesiges Adler-Viech im Baum über mir. Toller Anblick. Kurz darauf kam der Falkner (oder heisst das Adlerer?
) und holt sich seinen Vogel mit Lockrufen und Fleischbrocken zurück.
Als ich grade weitergehen will, spricht mich ein junger Mann an: "Auf Ihrer Schleppe ist ein Malheur passiert". Ich hab ja an alles gedacht, aber nicht daran, was ich dann sah: Mitten auf meiner schönen goldbestickten Schleppe.... eine recht große Hinterlassenschaft des Vogelviechs!
GottseiDank konnte ich diese mit einem beherzten Schwung der Schleppe rückstandsfrei von Selbiger hinfort befördern. (Ich erspare euch jetzt Einzelheiten). Die nette Dame im Toilettenwagen (dessen Besuch nichts mit dem Vogel zu tun hat) meinte, nachdem sie meine recht ungewöhnliche Geschichte gehört hatte, dass dies Glück bringen würde.
Nun, ich habe mich spontan gefragt, ob es wohl einen Aberglauben für den recht unwahrscheinlichen Fall geben könne, der eintritt, wenn ein Vogel von 2 Meter Spannweite auf die Schleppe einer Dame ..... "macht".
Was soll ich sagen: Dieser grosse Flattermann HAT mir Glück gebracht. Um den bösen Vogel einmal näher in Augenschein zu nehmen, ging ich mit meiner Gesellschaft rüber zur Falknerei. Die wunderschönen Vögel wurden dort für kleines Geld als touristische Fotoattraktion angeboten: Ein Polaroid mit Greif auf der Hand macht 5 Euro. Für Futter? So wie die Vögel aussahen, fressen sie das in einer Stunde wieder auf....
Ich habe keinen Vogel für ein Foto ausgeliehen (sonst hätte ich ihm wohl die Gurgel rumgedreht...) aber mein Name wurde laut gerufen. Ein seit gut 10 Jahren verschwundener Freund stand plötzlich vor mir! Er ist mit einigen der Vogelpfleger befreundet, und war darum an einem Ort, an dem ich niemals mit ihm gerechnet hätte!
Jetzt sagt mir: Hat des Adlers Malheur mir Glück gebracht? Ich für meinen Teil kann dies mit einem klaren "Ja" beantworten. Für einen wiedergefundenen Freund nimmt man so Einiges in Kauf, und die Schleppe war mir im Übrigen auch herzlich egal.....
Nachtrag: Ich trage dieses Kleid fast nie, aus Furcht in dichten Mengen tritt man mir ständig auf die Schleppe (so lange keine Greifvögel in der Nähe sind). Dabei geht es garnicht darum, dass Fußtritte dem Stoff schaden
könnten... Aber jeder Fuß auf der Schleppe ist wie die Leine beim Hund: Man wird von jetzt auf gleich abgebremst. Sehr unangenehm bei voller Fahrt ![]()
Auf Satzvey erlebte ich erstmals ein völlig gegenteiliges Phänomen: Mir schien, um meine Schleppe war eine unsichtbare Absperrung aufgebaut. Um mein Kleid herum teilte sich die Masse wie von Zauberhand, und sogar wenn ich irgendwo stand, gingen die grössten Massen brav aussenrum!
Ich bin immer noch ganz begeistert von diesem Effekt, und werde ihn mir nun wohl des Öfteren zu Nutze machen..... Sommerschlußverkauf... ich komme!
Kölner Nähbrunch
Monday, August 14. 2006
Eigentlich ist dem Bericht von Nowak nicht viel hinzuzufügen, lediglich einige persönliche Bemerkungen.
Kaum saß ich mit meinem Allerwertesten gemütlich im Eck, und salbaderte über mein aktuelles Lieblingsthema (3mal dürft ihr larpen.... äh, raten), da eröffnete mir Aud, die neben mir saß, dass sie ja eine ehemalige Fachfrau in Sachen Mittelalter-/Larp-Schneidern ist. Der Vormittag war gerettet! Wobei er auch ohne larpige Schneiderthemen gerettet gewesen wäre, denn ich habe es als Erholung empfunden, endlich auch wieder über etwas anderes zu sprechen.
In den von Nowak angesprochenen Heften habe ich auch ausführlich gestöbert. Besonders hatte es mir ein Buch über "Patchwork-Karten" angetan, ein für mich ganz neuer Zweig des Näh-Hobbies, den ich mir unbedingt mal genauer ansehen muss. Ich sehe dort ein grosses Potential, meine beiden Hobbies Schneidern und Stempeln zusammen zu bringen. Die gepatchten Karten würden wohl auch meine Stempel-Freundinnen begeistern!
Beinahe schon gegen Ende des Treffs wurde ich noch auf einen Rat zum Thema Mittelalterkleid angesprochen. Da ich lediglich über sehr oberflächliche Kenntnisse zum Thema verfüge, habe ich nach besten Wissen Auskunft gegeben, ich hoffe ein wenig behilflich gewesen zu sein!
Ich fand des verlängerten Vormittag mit Näh-Töttern sehr angenehm und freu mich schon sehr auf den Nächsten.
Türkische Hochzeit
Friday, June 16. 2006
Tach auch!
Tag eins nach der türkischen Hochzeit. Wegen leichtem Ehekrach hatte ich jegliche Lust verloren, mir ein neues Abendkleid zu machen, und bin in einem alten Abend-Fummel hingestöckelt.
Meine wochenlangen Bedenken, ich könne under- oder overdressed zu der Hochzeit erscheinen waren völlig überflüssig. Weil von Satin-Abendrobe bis T-Shirt alles vertreten war.
Dennoch eine kurze Analyse meiner - recht oberflächlichen, da nicht nachgefragten- Eindrücke: Je näher man/frau dem Brautpaar steht, um so prächtiger die Robe oder der Anzug. (türkische Leser mögen mich hier bitte aufklären)
Also war ich mit meinem Heine-Abendkleid recht übergestylt, was aber nicht weiter auffiel.
Dann die Eindrücke: Das Brautpaar kam ca. 2 Stunden nach Beginn der Party, die Stimmung war schon ein bisserl aufgewärmt und mit grossem Tamtam zogen die beiden in den Saal ein. Saal.... es waren ca. 400-450 Gäste dort, also musste es schon ein Saal sein! Das wunderhübsche Brautpaar durfte dann in dem Hochzeitszelt Platz nehmen, jeder von ihnen hatte einen Begleiter, der den ganzen Abend an ihrer Seite war. (Des Bräutigams Helferlein wischte ihm ständig den Schweiß von der Stirn und stand mit einem Mini-Ventilator hinter ihm beim Tanzen.... sowas hätte ich auch gern
)
Wenn Musik von der Liveband gespielt wurde- durchweg traditonelle Klänge oder türkisch anmutende Disco-Mukke- war die Tanzfläche binnen Minuten brechend voll. Dabei scheinen die Damen den Ton anzugeben: In Gruppen von 3-6 tanzen die Damen miteinander, oder um einen tanzenden Herren herum.
Ich habe viele für mich seltsame Gebräuche gesehen gestern abend. Ich muss sagen, es war sehr faszinierend. Und da wir als Gäste auch nach Kräften mitgemacht haben, fühlte ich mich zunächst sehr wohl. Bis dieser Mensch kam: Prince Erkan.
Leute, schaut euch diese Seite an! Am besten mit eingeschaltetem Sound. Der Typ ist der Knaller. Nur als er dann anfing die deutschen Gäste zu veralbern ("er kennt auch deutsche Lieder: Alles hat ein Ende nur die Wurst hat 2!") hatte ich mehr und mehr das Gefühl, als deutscher Gast lediglich geduldet zu sein. Vor allem für die junge Generation der Deutschland-Türken scheinen wir Deutschen eher eine Lachnummer zu sein.
Das mag jetzt hart klingen, aber auf der Fahrt nach Hause hatten wir noch eine interessante Diskussion mit Freunden, die neulich in der Türkei Urlaub gemacht haben. Aus dem gestrigen Abend und den Informationen unserer Freunde hat sich bei mir ein ganz neues Bild der deutsch-türkischen Beziehungen herauskristallisiert, über das ich noch viel nachzudenken habe.
Auch das Thema "Integration" sehe ich nun mit ganz anderen Augen. Ich wage mal die Vermutung anzustellen, dass die meisten türkischen Mitbewohner nicht im mindesten an einer Intergation interessiert sind. Für mich ist diese Vorstellung sehr ernüchternd und bedauerlich. Aber wie gesagt.... darüber muss ich erst mal gründlich nachdenken.
Aber da wir ja in diesem Tagebuch auch nette Bildchen zeigen können, hier nun das offizielle Foto der Hochzeitsgäste Bärbel und Olaf, aufgenommen vom Hoffotograf von Adem und Nurcan, am 15. Juni 2006. (Das letzte offizielle Foto von Bärbel und Olaf, aufgenommen am 03.08.95 vom Schifffotografen auf einer Schifffahrt von Schweden nach Deutschland, ist mein liebstes Erinnerungsstück, da es am 6ten Tag unserer Beziehung gemacht wurde. Drum hab ich gestern mit Freuden den völlig überhöhten Preis von 10 Euro an den Lockenkopf bezahlt, wer weiß wann es wieder mal ein offizielles Foto von uns gibt.) Und achtet auf den Rahmen (welcher vom Fotograf auf seinem Laptop noch am Ort des Geschehens eingefügt und ausgedruckt wurde...), fällt euch was auf? ![]()

Abitreff, die Erste
Tuesday, June 13. 2006
Auf den dringenden Wunsch einer Leserin hier der erste Bericht meines letzten Abi-Treffs. Vergangenen Samstag haben wir uns nach 25 (!) Jahren endlich wiedergetroffen. Es gab Treffen nach 15 und 20 und Jahren, und das viertel Jahrhundert war nun rum. Komischerweise scheinen einige sich dessen nicht bewußt gewesen zu sein, man ist halt so jung wie man sich fühlt. (In meinem Fall 14)
Ich war ziemlich aufgeregt, schon Tage vorher. Und wie meine lieben Nähfreundinnen bestimmt ahnen, war die dringlichste Frage... "Was ziehe ich an?" Obwohl mein Schrank mit Klamotten überquillt und ich mir jede Woche was Neues bastle, war das Rechte für ein solch wichtiges Ereignis nicht dabei.... am Ende war es dann ein Fummel den ich letztes Jahr auf ebay für 1 Euro ersteigert habe, da die Anbieterin die abgerissenen Träger nicht an das Kleid nähen konnte... lang, eng, Strech, samtig. Dazu hohe Sandalen mit Fesselriemchen (nicht lachen!)
Was soll ich sagen? Ich war overdressed! Wie immer. Alle Mädels kamen mit Jeans und Shirt. Dabei hab ich schon einmal zum Treff mein altes Abiballkleid getragen..... aber diese kleine persönliche Tradition konnte ich nicht aufrecht erhalten, da ich den Fummel nach dem 3ten Umzug nicht mehr finden konnte.....
Gut, gnadenlos overdressed bin ich also zum Treffen gestöckelt. In der Tasche ein paar alte Fotos, um ein paar eingeschlafene Erinnerungen aufzuwecken (und diese immer wieder lustigen Vergleiche alt-jung zu machen
) Das erste Foto präsentiere ich euch hier: Die Typen kennt ihr nicht, aber was die machen kennt ihr bestimmt *grins*:
Hach was war ich hübsch! Komischerweise halte ich mich schon seit jeher für hässlich (das ist KEIN fishing for compliments, also bitte keinen Kommentar dazu! das ist mein Ernst!) aber wenn ich mein Babyface von vor 25 Jahren sehe....... ich war echt ne süße Schnecke ![]()
Soweit für heute, ich bin ja erst am Anfang des Abitreffs-Nachberichts.... aber mir fehlen noch die versprochenen Fotos einer damaligen Mitschülerin, sie hat fleissig Bilder geschossen und trotz digitalem Zeitalter sind die Bilder nach 3 Tagen immer noch nicht bei mir, Unverschämtheit ![]()
Also weiter geht´s wenn ich mehr Augenfutter habe, stay tuned.









